Sonntag, 16. August 2015

Kopenhagen - København: a place to be



Häuserfronten in Kopenhagen.
"a place to be" ist ein schwammiger Bergriff, der so hipstergern verwendet wird wie einst yolo. Wenn diese vier Worte allerdings auf einen Ort zutreffen, dann auf Kopenhagen. Die dänische Hauptstadt ist wohl die schönste Stadt in der ich bisher war. Was ich über Stockholm geschrieben habe, könnte ich an dieser Stelle ähnlich wiederholen, müsste aber den Superlativ wählen. Bunt, bunter, Kopenhagen.


Von bunten Straßen, Fahrradfahren und der kleinen Meerjungfrau 


Wer den ersten Schock vor Rathaus und Vergnügungspark Tivoli (beides nicht sehr anschaulich und überfüllt) überwunden hat, geht durch Gassen und Straßen voller positivem Lebensgefühl. Die Häuser strahlen mit ihren Fassaden eine sehr lebensfrohe Atmosphäre aus, die Menschen bewegen sich höflich, bedacht und entspannt. Stress? Den hab ich sonst noch vor der kleinen Meerjungfrau gefunden, weil eine Gruppe asiatischer Touris mich zur Meister-Fotografin auserkoren hatte.

Das bunte Epizentrum bildet der Nyhavn. Am Neuen Hafer haben sich eine Menge Restaurants angesiedelt, die auf die skandinavischen Monsterpreise noch ein paar Kronen aufschlagen, den Hafen dafür aber auch mit Leben füllen. Das Getümmel kann ein wenig nerven, die Schiffe sind allerdings einen Spaziergang durch die Straße wert. Übrigens sollte man dort nicht einfach umdrehen oder in eine andere Straße verschwinden, sondern auf die ruhigere Parallelstraße wechseln. Von dort bietet sich der beste Blick auf die Häuserfronten.
Ich war zwei Mal dort. Einmal entspannt am Morgen auf dem Weg zur kleinen Meerjungfrau, einmal am Abend, nachdem ich mich mal wieder verfahren hatte. Denn tatsächlich: Ich war mit dem Fahrrad unterwegs. Einen ganzen Tag! Wer mich nicht kennt, denkt sich: Ja, und? Wer mich kennt, wird es mir nicht glauben, denn: Ich hasse Fahrradfahren!
Meinen straffen Plan konnte ich aber nur so umsetzen. Also mietete ich mir ein Fahrrad im Hostel. Von dort ging es also direkt zur kleinen Meerjungfrau und jetzt muss ich für die zierliche Dame mal eine Lanze brechen: Ich fand sie wunderschön. Sie wird immer als winzig beschimpft. Sollte sie lieber so groß wie der Eiffelturm sein? Wohl eher nicht. Gebeugt und mit traurigem Blick, umgeben von Algen - ich mochte sie. Nur die Sonne stand direkt hinter ihr, sodass ich sie zwar betrachten, aber nur schwer fotografieren konnte. Egal, einen Wunsch habe ich ihr trotzdem dagelassen. Das war wichtiger. 




Nyhavn
Der neue Hafen: Bunt und am Morgen schön leer.
Mein Dutt verrät mich...
Die kleine Meerjungfrau: Zierlich und mit traurigem Blick. Ich mochte sie.

Von Softeis, Strand und Christiania 

Wer viel Fahrrad fährt, verbrennt auch einige Kalorien. Außerdem darf man im Urlaub sowieso alles und so verführte mich Kopenhagen zu einer Menge Softeis. Als Kind durfte ich es nie essen, weil die Salmonellengefahr zu groß gewesen sei. Wenn ich es heute bestelle, bleibt noch so ein gewisser Nervenkitzel und das Gefühl, etwas Verbotenes zu tun. Ich probierte mich durch die verschiedenen Topping-Angebote und muss "dipped in Chocolate" als Favoriten küren. Kakaopulver, Krokant und Streusel waren auch super, konnten dagegen leider nicht mithalten. 

Mit dem Fahrrad bin ich nicht nur durch die ganze Stadt geradelt, sondern auch zum Strand. Vom Amager Strandpark geht der Blick rüber nach Malmö und zur Öresundbrücke. Zwei Tage zuvor lag ich auf der anderen Seite und habe nach Dänemark geschaut.

Am Amager Strand habe ich ein paar Stunden die Beine hochgelegt, die Sonne genossen und aufs Meer gestarrt. Ein paar Stunden auf Sand und unter Sonne können Wunder bewirken - oder die Energie für weitere Kilometer auf dem Fahrrad herbeizaubern.

Im Stadtteil Christianshavn habe ich einen Zwischenstopp in Christiania gemacht. Das autonome Zentrum wird als Freistaat angesehen und man bemerkt schnell, warum die einzigen drei Regeln in der Kommune eingehalten werden sollten: 


1. Nicht fotografieren

2. Nicht rennen
3. Nicht schreien

Denn:

Dort wird neben selbstgemachte Kunst und Schmuck auch Cannabis verkauft. Diese alternative Wohnsiedlung wurde 1971 gegründet. Handwerk ist ein wichtiger Bestandteil des Lebens dort und Drogenkonsum möchte ich hier nicht schön reden. Allerdings funktioniert das Leben in Christiania und die Menschen dort sind friedlich. So hält sich auch die dänische Regierung aus den Angelegenheiten raus. Auch ich habe meine Kamera am Eingang schnell weggepackt und die Kulisse auf mich wirken lassen. Respekt ist alles, kurze Blicke sind okay, starren dagegen weniger. Das Dorf kann man sich vorstellen wie das Dorf der verwunschenen Jungs bei Peter Pan im Film Hook. Ich selber bin bei einem Schmuckstand hängen geblieben. Die Verkäuferin hatte wunderschöne Armbänder, sodass ich nicht anders konnte, als drei mitzunehmen. Mein Fahrrad habe ich einmal quer durch das Dorf geschoben, gestaunt über Menschen und "Produktpalette" und bin schnell weiter: Zur Königin-Luise-Brücke.


Softeis-Liebe. Oben links war mein Favorit.
Strand in Kopenhagen
Amager Strandpark
Mein einziges Bild von Christiania, denn Respekt sollte hier jeder mitbringen!

Von der Luise-Brücke, Pølser und Deko im Übergepäck 

Die Dronning Louises Bro wird bei gutem Wetter zum Treffpunkt. Eine freie Bank ist ein Sechser im Lotto und die meisten hocken auf dem Boden angelehnt an der Brücke. Einige Fahrräder sind mit dicken Musikkisten ausgestattet, optional auch mit Bierkisten oder in den meisten Fällen mit beidem. Etwas zum Futtern gibt es in Reichweite bei diversen Imbissen.
Meinen Snack hatte ich allerdings schon: Ein Pølser war fällig. Dänische Hot Dogs begegnen einem überall und so kommt niemand bei einem Kopenhagenbesuch drum rum. Ich habe vorher bei diversen Blogs gelesen, dass die Pølser von Døp die besten sein sollen. Økologisk selbstverständlich, denn darauf stehen die Skandinavier. 
Ich bin nicht der größte Hot Dog-Fan, aber der von Døp überzeugte mich. Das Brötchen bestand nicht aus wabbeliger Pampe, sondern aus Vollkorn und Weizen, was das Brot griffiger machte. Die Wurst war nicht zu überwürzt und schmeckte nach gutem Fleisch und zu den Röstzwiebeln gab es scharfe frische Zwiebeln. Also auch ich kann Døp empfehlen! Wie die Pølser sind, die zahlreiche Imbisswagen an Metro-Stationen, anbieten, kann ich leider nicht sagen. Døp habe ich zumindest zweimal gesehen, davon einmal direkt auf der Strøget. 
Die Strøget - die längste Fußgängerzone Europas und besteht aus mehreren Straßen. Wer Schildergasse und Hochstraße in Köln kennt, kennt allerdings auch die Strøget, denn Ketten reihen sich zwischen vereinzelten Luxusläden nebeneinander. 
Viel ruhiger als die Strøget und besser zum Bummeln: Die Læderstræde, eine Parallelstraße. Deko- und Handwerkläden reihen sich neben Restaurants und Cafés. Auf meinem Weg zum Hostel musste ich einige Male durch sie durch und konnte nie an den Schaufenstern einfach so vorbei.
Wer nach Kopenhagen reist, sollte sich darauf gefasst machen: Dekoläden bieten Produkte in einer anderen Dimension an. Es gleicht einem Paradies, könnte man meinen, doch daraus wird schnell die Hölle am Flughafen, wenn die nette Dame am Schalter 8 Kilo Übergepäck anmerkt... Naja... aber das führt wohl zu weit an dieser Stelle... 


 Die Dronning Louises Bro ist bei schönem Wetter ein Treffpunkt
Auf der Brücke ist eine freie Bank ein Sechser im Lotto.


Døp hatte die besten Pølser. 
Das Brot bei Emmerys schmeckte frisch und körnig. Zwischendrin brauchte ich eine gesunde Stärkung.
In der Læderstræde sind bezaubernde Deko-Läden angesiedelt.


1 Kommentar:

  1. WOW! Amazing shots. I've been to Kopenhagen twice, beautiful city! Hope you spent a great time there. Wish you all the best.

    P.S.
    I like the way you share emotions in your blog.

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